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Tyan Tiger MP S2460, Dual Socket A - 2/10
24.03.2002 by doelf

Das Layout
Das Tyan Tiger MP S2460 ist groß - sogar größer als das Asus A7V133 oder A7V266 und etwas größer als der ATX Standard! Vor dem Kauf sollte man überprüfen, ob die 30,48 x 26,162 cm Platine in das Gehäuse paßt. Sehr gut geeignet ist das Chieftec CS 601, das wir in unserem Test benutzten.


Großes Board mit wenig Zubehör

Neben der Größe des Mainboards sollte man auch die Speicheranforderungen beachten: das Tyan Tiger MP bietet vier DDR-RAM Bänke, die mit bis zu 3 GB Speicher bestückt werden können. Im Handbuch wird auf Seite 21 erstaunlicher Weise der Ausbau bis zu 3,5 GB beschrieben, der vom Chipsatz zwar unterstützt wird (bis maximal 4 GB), laut Tyan jedoch nicht vom Board. Es wir unbedingt REGISTERED RAM benötigt, ECC wird ebenfalls unterstützt. Diese Module sind um einiges höher als normale Speicherbausteine und können in einigen Gehäusen mit den 3,5 oder 5 1/4 Zoll Schächten in Konflikt kommen. Viele Serverboards haben praktischer Weise angewinkelte Speicherbänke - hier liegen die Bausteine schräg und ragen nicht so weit in die Höhe wie etwa auf dem Tyan Thunder, dem großen Bruder des Tiger MP. Auf dem Tyan Tiger MP stehen sie jedoch vertikal und das ergibt in vielen Gehäusen Probleme. Die Speicherbänke sind zudem recht schwergängig. Leicht passiert es, daß ein Modul nicht 100% richtig sitzt und dann geht eine aufwendige Fehlersuche los. Am Besten setzt man die Speicherbausteine gleich nach der CPU und Lüfter Montage auf das Board und kontrolliert den richtigen Sitz sorgfältig! In den Speicherbänken des Tyan Tiger scheinen gerade etwas ältere Crucial Module die Neigung zu haben, sich aus den Bänken herauszudrücken, was recht lästig sein kann.
Noch ein paar Erklärungen zu REGISTERED und ECC Speicher, denn nur wenige unserer Leser werden sich bisher mit diesem Thema beschäftigt haben (ich auch nicht).

    PARITY RAM - Error Checking durch Parity Bit, Fehler werden erkannt und das System gestoppt (EC = Error Checking*)
    REGISTERED RAM - Bei Verwendung mehrerer Module werden Zugriffe durch Register gesteuert, erhöt die Betriebssicherheit unter kritischen Bedingungen
    ECC RAM - Error Checking and Correcting*, Fehler werden erkannt, bei einem Single-Bit Fehler werden die Daten berichtigt weitergegeben, der Inhalt des Speichers wird jedoch nicht berichtigt. Im ECC+Scrubbing* Modus wird auch der Fehler im Speicher berichtigt. Dies ist sinnvoll, da weitere Fehler zu einem Double-Bit Fehler führen können und dieser kann nicht behoben werden - das System bleibt stehen!
* Anmerkung: Begriffe werden analog zum Tyan Tiger XP Handbuch verwendet!

Im Handel findet man zumeist nur normale Speichermodule, REGISTERED ECC Module sind teurer und können auf normalen Mainboards zumeist nicht eingesetzt werden. Einige Tester haben deshalb das Tyan Tiger MP auch mit normalem Speicher betrieben. Davon kann ich jedoch nur abraten. Im Zusammenspiel mit einem Crucial 256MB PC2100 CL2.5 Modul (weder REG noch ECC) lief das Board halbwegs zuverlässig, bei zwei Bausteinen lief eigentlich gar nichts mehr. Überhaupt mochte das Board Bausteine von Crucial (sowohl REG als auch ECC) nicht so sehr, auf Anfrage bestätigte Tyan Deutschland Probleme mit einigen diesen Modulen und wir wichen auf Infinion (2x 512MB DDR2100 CL2, REG, ECC) aus. Noch ein wichtiger Hinweis: wird im BIOS die Option EC, ECC oder ECC+Scrub gewählt, so bleibt der Bildschirm nach dem Einschalten bis zu einer Minute schwarz. In dieser Zeit, werden alle BITs im Speicher mit 0 überschrieben. Also keine Panik und erst einmal einen Moment warten!


die vier 64-Bit/33MHz PCI Steckplätze können auch mit normalen PCI-Karten bestückt werden

Das Handbuch befindet sich eigentlich auf gutem Niveau, bietet aber noch eine handvoll Fehler und Unklarheiten. So müssen gleich vier Jumper gesetzt werden, um zwischen 200 (Athlon-B, Duron) und 266 MHz (Athlon-C, Athlon XP & MP) Frontsidebus umzustellen. Auf Seite 13 des Handbuches wird für 266 MHz Betrieb der Jumper J53 in die Stellung 1-2 gesetzt. Das widerspricht der werkseitigen Jumperung und aller Logik: die Stellung 2-3 ist hier die richtige Wahl! Wo wir gerade bei CPUs sind: offiziell wird nur der AMD Athlon MP unterstützt, aber auch alle anderen Durons und Athlons sind lauffähig. Auch im Dual-Betrieb! Allerdings kommen einige CPUs im Dualbetrieb nicht miteinander zurecht, während andere problemlos arbeiten. Nur für den AMD Athlon MP wird der Dualbetrieb garantiert! Daher ist diese CPU immer die erste Wahl. Wer gute Beziehungen zu seinem Computerhändler hat, kann aber auch zwei andere CPUs probieren, wobei die Chancen auf eine gute Zusammenarbeit besser sind, je enger die Seriennummern zusammenliegen. Für den Dual Betrieb empfehlen sich alle Durons ab 1000 MHz und jeder AMD Athlon XP. Die neuen Cores dieser Prozessoren (Morgan und Palomino) wurden für den Dual Betrieb optimiert und poduzieren auch weniger Abwärme.
Mainboards mit AMD 760MPX Chipsatz unterstützen den Dual-Betrieb von Athlon-C, Athlon-B und Spitfire Durons (unter 1 GHz) nicht mehr, lediglich Morgan Durons (über 1 GHz) und Athlon XP können hier alternativ zum Athlon MP verwendet werden - natürlich auch ohne Garantie. Zudem wird AMD in kürze die SMP Fähigkeit aller nicht-MP CPUs entfernen, erste Athlon XP CPUs ohne SMP sind bereits gesichtet wurden. Schade.


Tyan Tiger MP, 2x AMD Athlon XP 1500+ ready to rumble

Noch einmal zum Handbuch: auf Seite 12 werden die Anschlüße für Power, Reset, Speaker usw beschrieben. Die Zeichnung hierzu wurde jedoch gedreht abgedruckt. Im ersten Augenblick werden die meisten eine Drehung im Uhrzeigersinn vermuten, doch dem ist nicht so! Die IDE LED befindet sich rechts auf dem Board! Leider ist auch die Beschriftung der Platine selber für einen Laien kaum verständlich und Try and Error kann an dieser Stelle leicht einen Kurzschluß hervorrufen und das Board beschädigen.
Um die beiden Sockel A herum ist es recht eng, einen Alpha PAL6035 bekommt man aber gut untergebracht. CPU Kühler, die Befestigungslöcher brauchen, sind für das Tyan Tiger MP nicht geeignet (wie etwa der Alpha PAL8045)! Sowohl CPU als auch Kühler sollten unbedingt vor dem Einbau montiert werden. Die Northbridge des AMD 760MP Chipsatzes wird passiv gekühlt, der Kühlkörper ist jedoch recht groß.
Der AGP Steckplatz ist auf dem Tyan Tiger MP ein wenig verwunderlich. Das Tiger MP ist zwar als Serverboard geeignet, aber eigentlich sollte ein Servermainboard Grafik, LAN und SCSI onboard bieten. Das Tyan Tiger MP sieht somit eher wie ein Workstation Mainboard aus. Aber wenn irgendwo AGP-Pro Sinn macht, dann doch im Bereich der Graphic-Workstations. Während nun die Server Variante des Tiger - das Thunder - mit AGP-Pro daherkommt und gleichzeitig onboard Grafik bietet, wie es sich für ein Server-Mainboard gehöhrt, hat das Tiger lediglich einen normalen AGP Steckplatz. Letztenendes richtet es sich doch wohl mehr an die Power-User.
Dummer Designfehler: ein hoher Kondensator vor dem Slotblech der AGP-Grafikkarte verhindert den Einbau vieler Grafikkarten! Die ATi Radeon VE und die ATi Radeon 7500 saßen dort auf und konnten somit nicht ordentlich verschraubt werden! Zwei Unterlegscheiben können dieses Problem zur Not lösen. Ebenfalls Probleme mit dem Kondensator haben die ATi Radeon 7000 und 7200 sowie die GeForce 2 Karten von AOpen und Chaintech und auch etliche GeForce 4 MX Karten passen einfach nicht. Problemlos einbauen lassen sich hingegen die Asus V7700 und V8200 Serie, die MSI GeForce 3 Ti200/500 sowie die AOpen GeForce 3 Ti200 128MB und die ATi Radeon 64MB ViVo. Auch die ATi Radeon 8500, 8500DV sowie die All-in-Wonder 7500 passen problemlos.
Mit 6 PCI 2.2 (33MHz) Steckplätzen ist das Tyan Tiger MP gut bestückt. Vier der PCI Steckplätze sind in 64-Bit Breite ausgeführt, hier können professionelle Netzwerkkarten oder SCSI-RAID Controller eingebaut werden. Alle sechs PCI Steckplätze eignen sich auch für handelsübliche PCI Karten, 32-Bit Karten können also auch in 64-Bit Steckplätze eingesetzt werden. Bei Mainboards mit dem AMD 760MPX Chipsatz sieht das anders aus. Hier gibt es einen 32-Bit/33 MHz PCI-Bus und einen 64-Bit/66 MHz PCI-Bus. Während der erste mit handelsüblichen Karten kompatibel ist, wird letzterer beim Einsatz von 33 MHz Karten zumindest von 66 auf 33 MHz gedrosselt wird (für alle Karten), so passen hier auch nicht alle Karten hinein. Die Kollegen von planet3dnow.de haben sich in ihrer Asus A7M 266-D Review mit dieser Problematik befaßt.
Die IDE und Floppy Anschlüsse befinden sich ganz unten rechts auf dem Board, normale IDE-Kabel sind hier fast immer zu kurz. Oberhalb der IDE-Anschlüsse gibt es Platz für einen RAID Controller, eine RAID-Variante des Tyan Tiger MP ist jedoch nicht erhältlich. Sage und schreibe 5 Lüfteranschlüsse sind auf dem Board verteilt (zwei davon für die CPUs), der ATX Stromanschluß sitzt oben, wo er nicht stört.
Die Beigaben sind schnell genannt: ATA100 Kabel, Floppy Kabel, Handbuch, Treiber-CD. Das ist mager bei dem Preis!

INT-AINT-BINT-CINT-D
PCI 1-X--
PCI 2--X-
PCI 3X---
PCI 4---X
PCI 5-X--
PCI 6--X-
AGPX---
OnBoard USB---X
Der Interrupt Request Table des Tyan Tiger MP

Das Layout ist recht sauber gelungen und stellt einen Kompromiß dar, denn zwei Sockel wollen erst einmal untergebracht werden. Die Speicherbänke hinterlassen einen gemischten Eindruck, da sich einige Module nur schwer installieren lassen und sich ältere Crucial Module regelmäßig lockerten. Die Infinion Module hingegen bereiteten uns keinerlei Probleme. Die Beschriftung des Boards könnte wesentlich besser sein, ebenso sollten ein paar Punkte im Handbuch überarbeitet werden. Daß diverse Grafikkarten wegen eines schlecht platzierten Kondensators nicht verwendet werden können, ist sehr ärgerlich und ein unnötiger Layout Fehler, der selbst bei der dritten Revision der Platine (1.3) noch vorhanden ist.
Wenden wir uns nun dem BIOS zu...

Weiter: 3. Das BIOS

1. Intro und Chipsatz
2. Das Mainboard
3. Das BIOS
4. Kompatibilität / Soundkarten
5. Kompatibilität / Grafikkarten
6. Konfiguration
7. Benchmarks, Single CPU
8. Benchmarks, Dual CPU (OpenGL/3D)
9. Benchmarks, Dual CPU (Video)
10. Fazit und Wertung

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